News vom 19. 11. 2025 | In welchen Branchen in Deutschland die meisten Fachkräfte fehlen – und was das für unser Land bedeutet
In welchen Branchen Deutschland die meisten Fachkräfte fehlen – und was das für Unternehmen bedeutet
Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten strukturellen Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Während Politik und Verwaltung noch nach Lösungen ringen, zeigt eine neue Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) sehr deutlich, wo die Lücken in den einzelnen Wirtschaftszweigen inzwischen am größten sind – und welche Berufe die Engpässe besonders stark prägen.
Gesundheitswesen: Der Spitzenreiter unter den Engpassbranchen
Mit Abstand am stärksten betroffen ist weiterhin das Gesundheitswesen. Im Jahresdurchschnitt 2024 blieben bundesweit über 46.000 Stellen unbesetzt. Besonders alarmierend: Die Engpässe konzentrieren sich auf wenige Berufsbilder. Mehr als die Hälfte der offenen Stellen entfällt auf
- Gesundheits- und Krankenpfleger,
- Physiotherapeuten und
- zahnmedizinische Fachangestellte.
Die Lage zeigt, wie stark systemrelevante Strukturen inzwischen unter Druck stehen – und warum Kliniken und Pflegeeinrichtungen beim internationalen Recruiting längst um jeden qualifizierten Bewerber konkurrieren.
Baugewerbe und Ausbauhandwerk: Engpässe bremsen Zukunftsprojekte
Ähnlich dramatisch sieht es in Teilen des Bausektors aus. Insbesondere Bauinstallation, Ausbaugewerbe und vorbereitende Baustellenarbeiten melden Engpässe, die sich auf wenige zentrale Berufsbilder konzentrieren. In manchen Bereichen entfallen fast 50 Prozent aller offenen Fachkräftestellen auf nur zwei Berufe – ein Risiko für Modernisierung, Wohnungsbau und Energiewende. Es ergibt sogar ein Teufelskreis: Gibt es nicht genügend Wohnraum, kommen auch keine Fachkräfte aus dem Ausland. Besonders Berufe mit mittleren Einkommen sind betroffen, z.B. Pflegekräfte. Könnten neue Wohnkonzepte wie Wohngemeinschaften hier helfen?
Öffentliche Verwaltung: Personalmangel im Herzen des Staates
Deutlich zutage tritt der Mangel inzwischen auch in der öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung. Auch die Botschaften und Ausländerbehörden als „Dienstleister“ für Fachkräfteeinwanderung sind betroffen: noch ein Teufelskreis. Der Staat selbst kämpft mit einer massiven Verrentungswelle, während gleichzeitig mehr Aufgaben – von Digitalisierung bis Migration – zu bewältigen sind. Viele Kommunen sehen sich dadurch bereits an strukturellen Grenzen.
Handel, Sozialwesen, Industrie: Breite Wirkung auf Wertschöpfungsketten
Der Fachkräftemangel trifft aber längst nicht nur typische Engpassbranchen. Auch der Einzelhandel, das Sozialwesen und große Teile der Industrie melden strukturelle Lücken – oft ebenfalls konzentriert auf wenige zentrale Berufe. Im Sozialwesen entfallen bereits rund 80 Prozent der Fachkräftelücke auf vier Funktionen, was die Abhängigkeit sozialer Infrastruktur von einzelnen Qualifikationen verdeutlicht.
Warum diese neue Methodik wichtig ist
Das IW hat seine Analyse erstmals so erweitert, dass nicht nur die klassischen Kernberufe einer Branche erfasst werden, sondern auch jene Qualifikationen, die branchenübergreifend benötigt werden – etwa IT, Verwaltung oder Vertrieb. Dadurch wird sichtbar, wie stark Wirtschaftszweige inzwischen um dieselben Fachkräfte konkurrieren. Ein Krankenhaus, eine Kommune und ein Industriebetrieb suchen heute oft nach denselben IT-Spezialisten oder Verwaltungsfachkräften.
Was bedeutet das für Unternehmen – und für die internationale Rekrutierung?
Für Arbeitgeber in den betroffenen Branchen heißt das vor allem eins: Wer Fachkräfte sucht, muss strategisch denken – national reicht nicht mehr.
Recruiting internationalisieren: Besonders im Gesundheits- und Sozialwesen ist qualifizierte Zuwanderung oft die einzige realistische Quelle für Entlastung.
Prozesse professionalisieren: Aufwendige Einwanderungsverfahren, Wohnungssuche und Integration lassen sich intern kaum abbilden – hier lohnt sich die Zusammenarbeit mit spezialisierten Relocation-Services wie Anders Consulting.
Employer Branding schärfen: Berufe mit besonders hoher Lücke profitieren von gemeinsamen Imagekampagnen und klaren, modernen Recruiting-Botschaften.
Schnelligkeit zählt: Offene Stellen bleiben im Schnitt länger unbesetzt. Unternehmen, die beim Onboarding und bei administrativen Prozessen zügig sind, sichern sich im Wettbewerb klare Vorteile.
Fazit
Die neue IW-Analyse zeigt unmissverständlich: Der Fachkräftemangel ist kein Randphänomen einzelner Engpassberufe mehr, sondern betrifft ganze Branchen – oft konzentriert auf wenige Schlüsselqualifikationen. Unternehmen, Verwaltungen und soziale Einrichtungen müssen ihre Personalstrategien darauf ausrichten, sonst geraten zentrale Leistungen ins Stocken.
Grafiken: Bundesagentur für Arbeit, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Institut der deutschen Wirtschaft (c) 2025 IW Medien / iwd



